„Tastenflitzer“ begeistern im Konzert

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 04.12.2013, von Sylvia Osthues

 

Freunde anspruchsvoller Akkordeonmusik kamen auf ihre Kosten beim Jahreskonzert des

Handharmonikavereins Rheinklang Mannheim-Rheinau im Gemeindehaus von St. Jakobus.

Bereits zu Beginn des Konzerts begeisterte das Aufspielen des Jugendensembles "Melodie-Kids".

 

Die musikalischen Zöglinge von Corinna Hess präsentierten sich beim Konzertmarsch "Thunderbolt Peak" von Timothy Johnson, dem Open-Air-Song von Hans-Günther Kölz und dem "Chihuahua-Cha-Cha" von Gottfried Hummel recht gekonnt. Der Vorsitzende des Handharmonikavereins, Dr. Hans Jürgen Kuhr, wünschte den erwartungsfrohen Gästen einen unterhaltsamen Abend.

 

Virtuos ging es weiter: Carsten Strohmeier und Michael Wunderli faszinierten mit "Kinderträumen" von Stefan Hippe und einem mitreißenden "Root Beer Rag" von Billy Joel. Verdiente Mitglieder des Vereins wurden von Karl-Heinz Strohmaier vom Deutschen Handharmonikaverband-Bezirksverband Rhein-Neckar Odenwald geehrt.

 

Danach hatten die "Tastenflitzer", Hobbymusiker unter Leitung von Gerd Stiefenhöfer, ihren großen Auftritt. Mit beliebten Filmmelodien, Seemannsliedern und dem spanischen Marsch "Malag" von Joe Rixner verzauberten sie das Publikum. "Accordion Concertante" lautete der Titel des Konzerts. "Hoch gegriffen", will man denken. "Keineswegs", muss das Fazit nach einem fast dreistündigen Abend lauten, an dem ein Orchester unter Leitung von Liane Weber einen nahezu ausverkauften Jakobussaal verzückte, aber auch mit großem Gefühl anzurühren vermochte.

 

Dieses subtil Changierende zwischen majestätisch und volkstümlich, spürt man bereits bei Wolfgang A. Mozarts "Titus Ouvertüre", die den Weg in die Ohren der Gäste mal temperamentvoll, aber eben auch zart und heiter findet. Atmosphärisch durch Schlagzeug, Percussion und Bläser verstärkt, sollte dieses Stück nicht das letzte bleiben, das nachhaltig beeindruckte.

 

Mit Polka und Finale aus Friedrich Smetanas Oper "Die verkaufte Braut", stellte Dirigentin Weber erneut höchste Ansprüche an ihre Musiker, die diese, ihren eigenen Ansprüchen entsprechend, mit Bravour bewältigten. Nicht selten muss Liane Weber einige Sekunden abwarten, bis sie zum nächsten Stück ansetzen kann, so heftig wird applaudiert.

 

"Episodes" von Adolf Götz machen besonders auf sich aufmerksam. Dass das Akkordeon nicht nur Emotion mindestens so gut kann, wie jeder Streicher oder auch der gefühlvollste Sänger, zeigte sich sowohl bei der Suite "Die Galerie-Kontraste in Farben" von Heinz Ehme als auch bei "The Godfather" von Nino Rota aus dem Film "Der Pate". Bei Letzterem kontrastiert die zunächst zurückhaltende und dann explodierende Melodie so grandios, dass es eine wahre Freude ist. So wundert es nicht, dass das Orchester nicht ohne zwei üppige Zugaben und selbst dann nur unter Protest gehen darf.